Historie Schorndorf

HISTORIE SCHORNDORF

An dieser Stelle möchten wir Sie gerne zu einer kleinen Zeitreise einladen und den ganz persönlichen Bericht einer Zeitzeugin für sich sprechen lassen. Wie könnte man anschaulicher darstellen, wie die Christliche Wissenschaft nach Schorndorf kam, als durch eine wahre Begebenheit – nun also zurück ins Jahr 1904.

Aus den Erinnerungen eines zum Zeitpunkt des Geschehens 7-jährigen Mädchens aus Schorndorf …

„Im Frühjahr 1904 waren in unserer Familie viel Kummer und Sorgen. Meine Mutter hatte ein schweres Unterleibsleiden und ich selbst, sieben Jahre alt, litt an einer Krankheit, über die sich die Ärzte nicht klar werden konnten. Eine Kapazität widersprach der anderen, und ich wurde wiederholt ohne Erfolg operiert, so dass mich die Ärzte schließlich aufgaben. Es war ausgeschlossen, dass ich die Schule besuchen konnte.

Zeitweilig lagen meine Mutter und ich in einem Zimmer im Krankenhaus in Stuttgart. Da wurden wir durch Freunde, bei denen eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft aus Chicago zu Besuch weilte, auf die Christliche Wissenschaft aufmerksam gemacht, die 1866 von Mary Baker Eddy entdeckt wurde. Meine Eltern griffen wie Ertrinkende nach diesem Strohhalm und baten zuerst um Behandlung für mich. 

Außer der Zeitschrift „Herold der Christlichen Wissenschaft“ gab es keine Schriften in deutscher Sprache. Das Buch „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ von Mary Baker Eddy – das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft – wurde erst 1910 übersetzt. Deshalb begann meine Mutter Englisch zu lernen. Mein Vater konnte schon etwas „Schulenglisch“ und er übersetzte mit meiner Mutter die Bibellektionen, um sie am Sonntag mit mir und meinen Geschwistern zu lesen.

Gar bald trat eine Besserung bei mir ein und ich war so weit geheilt, dass ich mit acht Jahren die Schule besuchen konnte. In der äußersten Not wandte meine Mutter nun auch die Christliche Wissenschaft für sich an. Sie sollte operiert werden, aber ihr Glaube, dass Gott alle Macht ist und auch sie heilen kann, war unerschütterlich. Da die Praktikerin wieder nach Amerika zurückgekehrt war, bat sie eine Praktikerin in Zürich um Behandlung und durfte eine Augenblicks-Heilung nach viermonatigem Krankenlager erleben.

Schorndorf war 1904 noch eine kleine Stadt mit circa 5000 Einwohnern und unsere Familie, bzw. mein Vater, eine sehr bekannte und angesehene Persönlichkeit, so dass die beiden Heilungen in unserem Bekanntenkreis großes Aufsehen erregten. Bekannte, die in Not waren, kamen zu uns und wollten mehr über die Christliche Wissenschaft wissen, so dass sich bald ein kleiner Kreis bildete, der unter Leitung einer Englischlehrerin Teile des Lehrbuchs „Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift“ von Mary Baker Eddy und die Bibellektionen übersetzte. 

Einmal im Monat fuhren wir zu den Gottesdiensten nach Stuttgart, bis wir im August 1914, nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, selbst mit Gottesdiensten in einem Privathaus begannen und eine Christlich Wissenschaftliche Gruppe gründeten. Die Gruppe wuchs, so dass wir im Jahr 1917 auch eine Sonntagsschule gründeten und im Privathaus nicht mehr genügend Platz war.

Wir mieteten im städtischen Hospitalgebäude zwei große Zimmer und richteten dort auch einen Leseraum ein. Jetzt hielten wir auch die ersten regelmäßigen Mittwochabendversammlungen ab und den ersten Dankgottesdienst.

Bald waren diese Räume auch wieder zu klein, da sich Freunde aus Aalen, Esslingen, Fellbach, Heilbronn, Reutlingen und Ulm anschlossen und wir zogen in drei größere Räume in der Gartenstraße 8 (heute Wallstraße) um. Hier hatten wir Raum für 120 Sitzplätze und wurden im Jahr 1920 durch Die Mutterkirche, The First Church of Christ, Scientist, in Boston, Mass. U.S.A. als Zweigkirche anerkannt. 

Unser Name lautete jetzt „Christliche Wissenschaft Vereinigung e.V. Christian Science Society, Schorndorf, Württemberg“, und wir wurden unter diesem Namen auf dem Amtsgericht Schorndorf am 19.01.1920 in das Vereinsregister eingetragen.“ 

Und wie kam die Kirche in die Uhlandstraße?

Der Kauf und teilweiser Wiederverkauf von kleinen Grundstücken ab 1925 ermöglichten es, einen großen Bauplatz in den „Feuerseeäckern“ zu erwerben. Geplant war, dort ein eigenes Kirchengebäude zu errichten, was sich durch die wirtschaftliche und politische Situation jedoch verzögerte. Zudem begann das NS-Regime ab 1937, die Christliche Wissenschaft, die ja aus Amerika kam, zu verfolgen. Im Jahr 1941 wurden die Christlich Wissenschaftlichen Kirchen in ganz Deutschland verboten sowie Christliche Wissenschaftler in sogenannte Schutzhaft genommen und gefoltert.

Das gesamte Vermögen der Schorndorfer Gemeinde wurde aus „staatspolizeilichen Gründen sichergestellt“, die Einrichtung der gemieteten Räume versteigert und Privatwohnungen von Mitgliedern durchsucht. Erst nach Kriegsende wurde das Eigentum wieder zurückgeführt, und es gab die finanziellen Mittel, um Einrichtungsgegenstände neu zu beschaffen. 

Die Gottesdienste wurden wieder aufgenommen, und der Plan, eine Kirche zu bauen, wurde weiterverfolgt. Jedoch hatte sich die Situation in Schorndorf verändert: Nach Kriegsende kamen viele Katholiken in die Stadt, und es wurde ein zentrumsnaher Bauplatz für eine katholische Kirche gesucht. Im Gespräch waren die Grünanlage um das Schloss oder auch die Raible Anlage. Und es gab noch das große Grundstück der Christlichen Wissenschaftler an der Ecke Friedhof-Aichenbachstraße.

Seitens der Stadt Schorndorf erging die Bitte um einen Bauplatztausch: für die Katholische Kirche den Bauplatz der Christlichen Wissenschaft und diese könne stattdessen in der Raible Anlage bauen – eine gute Lösung für alle Beteiligten!

Dann ging es zügig voran…

Am 4. März 1951 fand die Grundsteinlegung für das heutige Kirchengebäude in der Uhlandstraße 67 statt. Entworfen und geplant wurde das Gebäude von Architekt Gottfried Walter Koch. Das Bauvorhaben konnte mit Spenden der Mutterkirche und finanziellen Zuwendungen einer Stiftung sowie zahlreichen Spenden von Einzelpersonen in nur einem Dreivierteljahr umgesetzt werden. Bereits am 4. November 1951 wurde der Eröffnungsgottesdienst gefeiert.

Am 11. September 1953 erfolgte die Anerkennung durch die Mutterkirche, The First Church of Christ, Scientist in Boston, Mass. USA als „Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, First Church of Christ, Scientist, Schorndorf / Württ. “Nur wenige Wochen danach, am 18. November 1953, wurde, nachdem alle Kredite beglichen waren, die Einweihung des Kirchengebäudes gefeiert.

Im Jahr 2020 feierten wir unser 100-jähriges Bestehen! Seit 2024 tragen wir offiziell den Namen: Vereinigung der Christlichen Wissenschaft e.V. Christian Science Society, Schorndorf, BW. Unsere Gottesdienste und Veranstaltungen, bei denen alle herzlich willkommen sind, finden unverändert regelmäßig statt.